
„Asoziale“ in Propaganda und Medien der DDR
In der DDR werden „Asoziale“ in Medien und Propaganda stigmatisiert und als Bedrohung für die sozialistische Gesellschaft inszeniert. Zeitungen, Fernsehen und Rundfunk verbreiten gezielt ein negatives Bild vermeintlich „Asozialer“: Sie werden als arbeitsscheu, verwahrlost oder moralisch verkommen dargestellt und als Menschen, die andere durch ihr schlechtes Vorbild ebenfalls zu „asozialer Lebensweise“ verführen.
In der medialen Präsentation erscheinen sie als abschreckende Beispiele, als Kontrast und Gegenbild zum Ideal des „sozialistischen Menschen“. Diese Inszenierung dient nicht der Diskussion eines gesellschaftlichen oder sozialen Problems, sondern hat eine disziplinierende Funktion: Die Bevölkerung in der DDR soll sich, der SED-Ideologie entsprechend, konform verhalten und den Aufbau des Sozialismus über individuelle Wünsche und Lebensvorstellungen stellen.
Die Betroffenen erleben gesellschaftliche und rechtliche Ausgrenzung, darunter Zwangseinweisungen, Gefängnis und staatliche Sanktionen. Häufig dient der Begriff „asozial“ auch als politische Waffe gegen Regimekritiker oder als Vorwand, staatliche Kontrolle zu verschärfen. Damit ist „Asozialität“ in der DDR stets mehr als nur ein individuelles „Versagen“ – sie wird zu einem zentralen Feindbild sowie zum Mittel sozialer Kontrolle im Alltag des SED-Staates. Ein Feindbild, das weit über das Ende der DDR hinaus nachwirkt.
