Christian Kunert (*1952)
Als Kind und Jugendlicher singt Christian Kunert im berühmten Leipziger Thomanerchor.
Ab den frühen 1970er Jahren verbindet ihn eine enge Freundschaft mit dem Liedermacher Gerulf Pannach. Durch ihn wird Christian Kunerts Haltung gegenüber dem SED-Staat zunehmend kritischer. Beide wünschen sich einen menschlichen und demokratischen Sozialismus und nicht die kommunistische Diktatur, in der sie leben.
„Die waren sich ja einig, die Elterngeneration und der Staat (…), dass die Kinder nicht diese langen Haare tragen sollten und nicht diese komische Urwaldmusik hören.“
Christian Kunert 2005 im Interview
Nach der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann aus der DDR am 16. November 1976 protestieren eine Reihe von Künstlerinnen und Künstlern gegen die Willkürmaßnahme, darunter Christian Kunert, Gerulf Pannach und ihr Freund, der Schriftsteller Jürgen Fuchs. Aufgrund ihres Protests werden die drei verhaftet und in das Zentrale Untersuchungsgefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in Berlin-Hohenschönhausen eingeliefert.
Der Haftbefehl gegen Christian Kunert nennt als Grund den Paragrafen 249: „Er wird beschuldigt, die öffentliche Ordnung durch asoziales Verhalten gefährdet zu haben, indem er seit Anfang Oktober 1976 aus Arbeitsscheu keiner geregelten Arbeit nachgeht.“ Anfang Dezember kommt der Vorwurf der „staatsfeindlichen Hetze“ hinzu. In den zahlreichen Verhören spielt der Vorwurf des „asozialen Verhaltens“ keine Rolle. Er ist nur ein Vorwand, um die oppositionelle Haltung von Christian Kunert und seinen Protest gegen das SED-Regime zu kriminalisieren.
Ende August 1977 wird Christian Kunert, zusammen mit Gerulf Pannach und Jürgen Fuchs, nach West-Berlin ausgebürgert.

