Dieter „Otze“ Ehrlich (1963-2005)
Dieter Ehrlich und seine 1980 gegründete Band „Schleimkeim“ haben innerhalb der Punkszene in der DDR Kultstatus. Unmissverständliche Texte, laute, krachige Auftritte, Anarchie als Lebensentwurf: Bei den Konzerten rasten nicht nur Punks bei Pogo und Bier aus.
Geboren und aufgewachsen ist Dieter Ehrlich in Stotternheim bei Erfurt. Die Band probt in einem umgebauten Stall des elterlichen Hofes. Mit seinem angedeuteten Irokesenschnitt, auffälliger Kleidung und provokantem Verhalten, ist er der Gegenentwurf zur vom Regime geforderten „sozialistischen Persönlichkeit“.
„Die SCHLEIM-KEIMs haben wirklich mit dem Hammer aus der DDR-Flagge die Sichel zerkloppt.“
Cornelia Schleime, Anfang der 1980er Jahre Sängerin einer Punk-Band in der DDR
Dieter Ehrlich hat Metallbauer gelernt. Ab Oktober 1982 geht er jedoch keiner geregelten Arbeit mehr nach. Die Musik ist sein Lebensinhalt. In Erfurt und anderswo trifft er sich mit Freunden. Als Wortführer der Erfurter Punks gerät er ins Visier der Volkspolizei, die gegen ihn ab Juni 1981 verschiedene Ermittlungsverfahren einleitet. Gleichzeitig ist sie an Informationen über die Punkszene insgesamt interessiert. Ab August 1982 führt ihn die Kriminalpolizei in Erfurt als „Inoffiziellen Mitarbeiter“ (IKM). Vermutlich ist Dieter Ehrlich dadurch vor Strafverfolgung geschützt. Nachdem er jedoch kaum noch Informationen liefert und Freunden von seinen Treffen mit den Genossen erzählt, wird Dieter Ehrlich im März 1984 verhaftet und vom Kreisgericht Erfurt zu einer viermonatigen Haftstrafe wegen „asozialen Verhaltens“ verurteilt.
In den kommenden Jahren setzt er sein Leben als Punk und Frontmann einer nicht zugelassen Band fort. Da er keiner geregelten Arbeit nachgeht, wird er mehrmals wegen „asozialen Verhaltens“, aber auch wegen anderer Delikte verhaftet.
Nach dem Ende der DDR ist Schleimkeim zunächst recht erfolgreich, doch irgendwann verliert Dieter Ehrlich den Halt. 1999 erschlägt er im Drogenwahn seinen Vater mit einer Axt. Er stirbt 2005 in einer Psychiatrie.

