Holger Rossmann (*1951)

Holger Rossmann lebt im Osten, Christa Hartmann im Westen, als sie sich 1970 in Ost-Berlin begegnen und ineinander verlieben. Rasch spüren sie die Schwierigkeiten, die das SED-Regime Ost-West-Liebespaaren bereitet. Für ihn gibt es keinen legalen Weg, die DDR zu verlassen – ihr werden bei Reisen in die DDR Steine in den Weg gelegt. Trotzdem verloben sie sich 1972.

Um Einreisegenehmigungen für Christa Hartmann zu bekommen, gibt Holger Rossmann seine Verlobte anfangs als seine Cousine aus. Das bleibt der Staatssicherheit nicht verborgen. Sie beobachtet Holger Rossmann und sorgt dafür, dass er im Juni 1973 unter dem Vorwand “ungenügender Leistungen” und wegen der Verbindung zu seiner Verlobten nach Westdeutschland vom Ingenieursstudium exmatrikuliert und “zur Bewährung in die Produktion” geschickt wird.

Am 20. Dezember 1974 beendet Holger Rossmann aus gesundheitlichen Gründen, per Aufhebungsvertrag, sein Arbeitsverhältnis und sucht sich eine neue Stelle. Vereinbarter Arbeitsbeginn ist der 12. Februar 1975. Vorher will er sich mit seiner Verlobten in Ost-Berlin treffen, um sich beim Ministerium über seine Einschränkungen aufgrund des Behelfsausweises PM12 und die Einreisesperre für Christa zu ihm zu beschweren. Die Volkspolizei will das verhindern und verlangt den sofortigen Arbeitsantritt.

Holger Rossmann weigert sich, will seine Fahrt auf jeden Fall durchführen. Daraufhin schlägt die Volkspolizei zu und verhaftet ihn am 7. Februar 1975 in aller Frühe. Ihm wird vorgeworfen, keiner geregelten Arbeit nachzugehen und Spekulationsgeschäfte sowie staatsfeindliche Propaganda zu betreiben. Nach drei Monaten Untersuchungshaft in Karl-Marx-Stadt wird Holger Rossmann nach § 249 zu ein bis zwei Jahren “Arbeitserziehung” verurteilt.

In den Strafvollzug kommt er nach Bitterfeld und muss dort unter katastrophalen gesundheitsschädigenden Arbeitsbedingungen im VEB Chemiekombinat arbeiten.

„Wir mussten arbeiten, natürlich, erstmal war ich in der Aluminiumhütte. Das war schon katastrophal. Und auch der ganze Aluminumstaub dort. […] aber für mich war die schlimmste Zeit, als ich ins Chlor kam, Verätzungen waren da an der Tagesordnung, und dann war da das Quecksilber, dass da überall rumfloss. Es sollte zwar weggespritzt werden, aber das gelang natürlich nicht.“
Holger Rossmann 2025 im Interview über die Haftarbeit

Direkt nach seiner Entlassung im Sommer 1976 stellt er einen Ausreiseantrag. Am 1. November 1976 wird Holger Rossmann aus der DDR ausgebürgert und reist zu seiner Verlobten Christa in die Bundesrepublik aus.