Bernd Schilanski (*1949)
Bernd Schilanski ist seit Januar 1978 Schlagzeuger der Rockband „Magdeburg“. Die beim Publikum sehr beliebte Band wird von DDR-Kulturbehörden und Sicherheitsorganen misstrauisch beobachtet. Ihre künstlerischen Möglichkeiten werden zunehmend eingeschränkt; selbst Auftritte im sozialistischen Ausland hängen vom Wohlwollen der Konzert- und Gastspieldirektion der DDR ab. Frustriert stellen die Mitglieder im September 1981 gemeinsam einen Ausreiseantrag in die Bundesrepublik. Darauf folgen zahlreiche Gespräche mit dem Ziel, sie zur Rücknahme des Antrags zu bewegen. Als dies scheitert, arbeiten das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) und die Volkspolizei zunehmend mit Drohungen und Erpressungen.
Ende April 1982 verliert Schilanski seinen Berufsausweis: Er muss das Dokument nicht nur abgeben, es wird sogar vor seinen Augen zerissen. Damit ist er arbeitslos. Das Amt für Arbeit verlangt daraufhin, dass er eine Tätigkeit in einem Volkseigenen Betrieb aufnimmt. Dies verweigert er.
Bernd Schilanski glaubt sich durch seine Ehe vor strafrechtlicher Verfolgung nach Paragraf 249 geschützt, doch nach der Scheidung am 21. Juli 1982 entfällt dieser Schutz. Bereits am folgenden Tag wird er zur Volkspolizei vorgeladen, nach stundenlangem Verhör wegen „asozialen Verhaltens“ festgenommen und in die Untersuchungshaftanstalt der Polizei in Magdeburg gebracht.
Vor allem die Isolation verunsichert ihn. Erst nach einem Monat erfolgt dort ein Verhör durch die Stasi, wobei der Ausreisantrag und die Suche nach dem vermeintlichen „Rädelsführer“ innerhalb der Band im Mittelpunkt stehen. Bernd Schilanski betont jedoch immer wieder die gemeinsame Initiative aller Mitglieder der Band. Nachdem er seinen Ausreiseantrag nach fast drei Monaten Untersuchungshaft zurückzieht, wird er kurz darauf entlassen und die Anklage gegen ihn fallen gelassen.

„Und dann, als Sie gemerkt haben, dass wir entschlossen waren, kamen die härteren Gespräche, da waren dann auch immer Leute von der Staatssicherheit dabei oder Polizei, da wurde dann der Ton rauer.“
Bernd Schilanski 2025 im Interview
