Joachim Groth (1952-2007)
Joachim Groth ist ab Anfang der 1970er Jahre Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Als Vernehmer im zentralen Untersuchungsgefängnis des MfS in Berlin-Hohenschönhausen macht er rasch Karriere.
Im Jahr 1984 soll sich Joachim Groth, inzwischen zum Referatsleiter ernannt, aufgrund seines starken Alkoholkonsums und dienstlicher Verfehlungen einer Therapie unterziehen. Doch dem verweigert er sich. Joachim Groth stellt stattdessen Ende 1984 einen Antrag auf Entpflichtung aus dem Dienst der Stasi, aus der er im Frühjahr 1985 als „ungeeignet“ entlassen wird. Es beginnt ein unstetes Leben mit wechselnden Arbeitsverhältnissen.
„Übermäßiger Alkoholgenuß, Selbstüberschätzung, Überheblichkeit und Arroganz“
Beurteilung von Joachim Groth durch das MfS, 25. Januar 1985
Ab Sommer 1987 geht Joachim Groth keiner geregelten Arbeit mehr nach. Die Volkspolizei in Berlin Lichtenberg ermittelt im Sommer 1988 gegen ihn wegen Unterhaltspflichtverletzung, „asozialem Verhalten“ und vorsätzlicher Körperverletzung und verhaftet ihn am 2. Juni 1988. Das MfS zieht umgehend das Verfahren an sich, da Joachim Groth Geheimnisträger ist. Er kommt nach Hohenschönhausen in U-Haft. Nach etwas mehr als drei Monaten sorgt die Stasi für die Einstellung des Ermittlungsverfahrens. Sie findet keine Anhaltspunkte, dass Joachim Groth sein Wissen weitergegeben hat. Das MfS besorgt ihm eine Wohnung und eine Arbeitsstelle in Berlin-Marzahn. Neben der Ersteinrichtung seiner neuen Wohnung erhält er einen Kredit von 4.000 DDR-Mark.

