Michael Flade (1946-1985)
Michael Flade ist seit Ende der 1960er Jahre Teil eines Leipziger Freundeskreises, der sich intensiv über eine Liberalisierung der Verhältnisse in der DDR austauscht. Für die Stasi diskutiert die Gruppe „staatsfeindliche Theorien“. Derartige Aktivitäten stehen in der DDR unter Strafe, es droht langjährige Gefängnishaft. Darüber hinaus verdächtigt die Stasi Michael Flade, an einem spektakulären Protest gegen die Sprengung der Leipziger Universitätskirche im Sommer 1968 beteiligt gewesen zu sein. Nicht zuletzt fliehen aus seinem persönlichen Umfeld mehrere Menschen in die Bundesrepublik oder sind an Fluchtversuchen beteiligt. Die Stasi glaubt, einer großen Verschwörung auf der Spur zu sein. Zahlreiche Personen werden mit großem Aufwand überwacht, darunter Michael Flade. Inoffizielle Mitarbeiter der Stasi werden auf seinen Freundeskreis und ihn angesetzt. Seine Wohnung wird verwanzt und abgehört.
Michael Flade möchte sich als Maler und Grafiker etablieren. Da er jedoch dafür keine offizielle Zulassung besitzt, und seit Januar 1969 kein geregeltes Arbeitsverhältnis hat, nimmt ihn die Stasi Mitte April 1971 unter dem Vorwand des „asozialen Verhaltens“ fest.
Nach fast einem Jahr in Untersuchungshaft wird er im April 1972 wegen „staatsfeindlicher Hetze“, „staatsfeindlicher Gruppenbildung“, versuchter „Republikflucht“, „asozialen Verhaltens“ und „Diebstahl sozialistischen Eigentums“ zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Im Zuge der Amnestie vom Dezember 1972 wird er in die Bundesrepublik entlassen und lebt fortan in West- Berlin. Dort begeht er 1985 Selbstmord.

