Angelika Kurtz (*1956)
Angelika Kurtz (geb. Krüger) wächst zusammen mit ihren drei Geschwistern in Eberswalde auf. Als sie in der 3. Klasse ist, heiratet ihre Mutter ihren neuen Partner. Für Angelika Kurtz hat dies weitreichende Konsequenzen: Ihr Stiefvater ist gewalttätig. Häufig werden sie und der ältere Bruder verprügelt. Später missbraucht der Stiefvater sie sexuell.
Angelika Kurtz bekommt keine Hilfe in dieser Situation: In der Schule werden die Zeichen der Misshandlungen ignoriert, das Jugendamt glaubt den Eltern mehr als ihr, der sexuelle Missbrauch wird nicht wahrgenommen.
„Sexueller Mißbrauch, Schläge, und dann setzt halt das erlernte Verhalten ein: Wegrennen, wegrennen.“
Angelika Kurtz 2025 im Interview
Angelika Kurtz läuft in ihrer Not immer wieder von zu Hause weg – häufig zu ihrer Oma – und fehlt auch in der Schule. Deshalb wird für sie im Juni 1971 eine vorläufige Heimerziehung und kurz darauf die Einweisung in einen Jugendwerkhof angeordnet. Ende März 1973 wird die noch minderjährige Angelika Kurtz zurück ins Elternhaus entlassen. Dort gehen die Schläge und der sexuelle Missbrauch weiter. Angelika Kurtz flüchtet erneut. Ihre Oma lebt nicht mehr und sie findet Zuflucht bei einer Freundin. Da sie nicht mehr zur Arbeit geht, läuft gegen sie ein Ermittlungsverfahren wegen „asozialen Verhaltens“. Im September 1974 wird Angelika Kurtz bei einer Ausweisekontrolle auf der Straße verhaftet und kurz darauf nach Paragraf 249 zu zwei Jahren „Arbeitserziehung“ verurteilt.
Nach ihrer Entlassung bekommt sie eine kleine Wohnung und eine Arbeitsstelle zugewiesen. Angelika Kurtz verliebt sich und heiratet. Sie bekommt ihren ersten Sohn. Endlich kann sie Gewalt und Missbrauch hinter sich lassen. Die Ehe hält nicht lange. Mit neuen Partnern bekommt sie zwei weitere Kinder. Jahre später beginnt Angelika Kurtz eine Traumatherapie, die ihr hilft, das Erlebte zu verarbeiten und über die Gewalt, die ihr angetan wurde, zu sprechen.

