Frank Altendorf (*1953)

Frank Altendorf verbringt einen Großteil seiner Kindheit in Wochen- und Kinderheimen. Schon als Kind fällt er in Schule und Heim immer wieder negativ auf. Ermutigt von seinem Vater tritt er weder in die Jungen Pioniere noch die FDJ ein. 1970 beginnt Frank Altendorf eine Ausbildung zum Schlosser in der Ausbildungsstätte Schwarze Pumpe im VEB Industrie- und Kraftwerksrohrleitungen Bitterfeld. Dort wohnt er in einem Lehrlingswohnheim. Wegen seiner Kleidung und vor allem seiner langen Haare wird Frank Altendorf unter Druck gesetzt. Nach einem Bagatelldiebstahl kommt er vorübergehend in eine „Isolationsbaracke“ – ein einschneidendes Erlebnis. Die Ermittlungen gegen ihn werden jedoch kurz darauf eingestellt. Darüber hinaus beklagt sein Lehrmeister Erziehungsschwierigkeiten und versucht, ihn in einen Jugendwerkhof einweisen zu lassen. Als dies wegen seiner bevorstehenden Volljährigkeit scheitert, wird Frank Altendorf die Lehrstelle zum 15. Januar 1971 ohne Abschluss gekündigt. Künftig soll er als Hilfsarbeiter in einem Kohlekraftwerk arbeiten.

Das ist für Frank Altendorf unvorstellbar. Er geht nicht mehr arbeiten, zieht umher, kommt bei Freunden und bei seiner Schwester unter. Diese kurze Phase der Freiheit endet abrupt: Bei einer Routinekontrolle im Zug im Mai 1971 wird Frank Altendorf aufgrund eines Haftbefehls festgenommen. Im Juli 1971 verurteilt ihn das Kreisgericht Cottbus wegen „asozialen Verhaltens“ zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis. Nach seiner Entlassung im August 1972 bekommt Frank Altendorf eine Arbeitsstelle in einem Kohlekraftwerk in Lauta zugewiesen, lässt sich aber immer wieder krankschreiben. Angetrunken zettelt er eine Schlägerei mit Lehrlingen aus seinem alten Ausbildungsbetrieb an und wird erneut verhaftet. Im Mai 1973 verurteilt ihn das Kreisgericht Hoyerswerda wegen „Rowdytums“ zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis. Obwohl er in der Haft in Bautzen mehrfach Ausreiseanträge stellt, wird er in die DDR entlassen. Nun geht Frank Altendorf aufs Ganze: Er verkündet in Hoyerswerda auf der Kreisdienststelle der Stasi, dass er ausreisen möchte und stören wird, wo er kann. Kurz darauf, im September 1975, kann er in die Bundesrepublik ausreisen.