Heidi Mellenthin (*1955)

Heidi Mellenthin wächst zunächst in einem Kinderheim auf und kommt im Alter von zweieinhalb Jahren in eine Pflegefamilie in Gleina bei Zeitz, die sie später adoptiert. Der Vater, der ursprünglich einen Jungen adoptieren wollte und das Mädchen ablehnt, verprügelt seine Adoptivtochter häufig. Daraufhin läuft sie immer wieder von zu Hause weg. Dies führt zu noch mehr Misshandlungen und quälenden Strafen.

Die Schule verlässt Heidi Mellenthin früh und beginnt 1970 eine Lehre im Kreiskrankenhaus Zeitz. Aus Furcht vor dem Vater schläft sie häufig unter freiem Himmel und geht dann nicht zur Arbeit. Während der Ausbildung erhält sie keine Hilfe, stattdessen erlebt sie Druck und Kontrolle, schließlich wird ihr Vertrag gekündigt. Sie ist damit ohne Berufsabschluss. Kurz darauf, im Sommer 1972, wird sie in den Jugendwerkhof in Kottmarsdorf eingewiesen. Im Dezember 1973 erfolgt – unter strengen Auflagen und gegen ihren Wunsch – die Entlassung zu den Adoptiveltern.

„Die Glaubwürdigkeit stand immer in Frage. Ab dem Moment, wo ich den Paragraf 249 an der Backe hatte, hat mir niemand Glauben geschenkt. Und das Gericht sowieso nicht.“
Heidi Mellenthin 2025 im Interview

Im Sommer 1978, Heidi Mellenthin wohnt mangels Alternative noch immer bei ihren Adoptiveltern, wird sie festgenommen und wegen „Arbeitsbummelei“ nach Paragraf 249 zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Sie kommt in die Haftanstalt nach Dessau. Dort herrscht strenger Drill. Nach ihrer Haft bekommt Heidi Mellenthin neben Meldeauflagen eine Arbeitsstelle zugewiesen. Der Anfahrtsweg zum Hydrierwerk Zeitz ist kompliziert und weit, sie arbeitet dort im Drei-Schicht-System. Wieder geht sie nicht regelmäßig zur Arbeit. Wegen Verletzung gerichtlicher Maßnahmen (Paragraf 238) wird sie erneut verurteilt, diesmal zu zwei Jahren Gefängnis. Diese Strafe verbüßt sie vollständig, dieses Mal im berüchtigten Frauengefängnis Hoheneck. Nach ihrer Haftentlassung 1982 lernt sie ihren ersten Ehemann kennen. Durch diese Partnerschaft kommt Stabilität in ihr Leben – auch wenn Heide Mellenthin Jahre später feststellen muss, dass ihr Mann „Inoffizieller Mitarbeiter“ der Stasi war.